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Windhose oder Tornado

Nicht erst seit dem Hollywood-Blockbuster Twister aus dem Jahr 1996 sind Tornados auch in Europa ein Thema. Wirbelstürme, die hierzulande auch als Windhosen bekannt sind, schlagen schon seit je her Schneisen der Verwüstung durch Europa.

1968 zerquetschte ein Tornado mit einer Geschwindigkeit von 400 km/h in Pforzheim Autos wie Blechdosen und entkernte ganze Häuser. Hunderte Menschen wurden verletzt oder obdachlos. Trotz dieser über 40 Jahre alten Meldung entsteht der Eindruck, dass die Zahl und Intensität dieser extremen Wetterereignisse im Vergleich zu früher heute stark zugenommen hat. Die Wissenschaft aber kann für diese Vermutung keine belastbaren Beweise finden.

Vielmehr die flächendeckende Verbreitung von Digitalkameras und Mobiltelefonen mit Kameras sowie der technische Fortschritt mit verbesserten Beobachtungs- und Messmethoden sind für die gefühlte Zunahme von Tornados verantwortlich. Weil aber die genauen Entstehungshintergründe noch nicht vollständig geklärt sind, sehr warme Luftmassen, die im Zuge der Klimaerwärmung häufiger auftreten, aber unbestreitbar mit den Extremwinden zusammen hängen, wird damit gerechnet, dass Tornados in Zukunft häufiger zu beobachten sein werden. Erst Mitte Juli verwüstete ein solcher Wirbelsturm auf Helgoland einen Campingplatz und verletzte elf Menschen, einige schwer.



Tornados können zur tödlichen Gefahr werden

Die große Gefahr der Windhosen geht einerseits von ihrer schwierigen Vorhersagbarkeit und andererseits von ihrer enormen Kraft aus. Tornados bilden sich über Land und über Wasser. Die horizontale Ausdehnung von Tornados beträgt nur etwa zwanzig bis einige hundert Meter, in seltenen Fällen kann der Durchmesser auch ein bis zwei Kilometer betragen. Die Schadensspur ist dabei eng begrenzt.

Bei größeren, starken Tornados können sich auch mehrere Teilwirbel bilden, die dann ein sehr komplexes Schadensbild hinterlassen. Die Windgeschwindigkeiten im Tornadowirbel sind mit herkömmlichen Instrumenten oft nicht mehr messbar. Schätzungen und Versuche im Windkanal ergeben bei sehr starken Tornados Werte von mehr als 500 km/h.

Seit den 1970er Jahren werden Tornados nach ihrer Stärke in sechs Stufen eingeteilt. Die so genannte Fujita-Skala reicht von F0 (unter 118 km/h) bis F5 (über 420 km/h). Man ordnet angerichtete Schäden den einzelnen Stufen zu und erhält damit eine Aussage über die Stärke eines Tornados.

Gefährlich sind Tornados dabei nicht nur durch die hohen Windgeschwindigkeiten. Umher fliegende Trümmer und Kleinsteile bis hin zu Autos, Trucks und zerlegten Häuser werden zu äußerst gefährlichen Geschossen. So forderte beispielsweise im März 2009 im Westen Griechenlands ein Tornado die Leben zweier Menschen, deren Auto vom Sturm erfasst, Meter weit durch die Luft geschleudert wurde und schließlich mit voller Wucht wieder zurück auf den Boden fiel.



Tornados auf dem europäischen Festland – wesentlich häufiger als angenommen

Nach bisherigen Berichten ging man davon aus, dass bei uns in Deutschland Tornados nur selten vorkommen oder bedeutend schwächer als deren Brüder in den USA ausfallen. Die Wirklichkeit aber sieht anders aus: Pro Jahr richten mehrere Dutzend Tornados in Deutschland zum Teil schwere Schäden an. Etwa fünf bis zehn Tornados erreichen die Stufe F2 (ab 185 km/h) auf der Fujita-Skala.

Im langjährigen Mittel muss etwa alle zwei Jahre mit einem Tornado der Stärke F3 und alle 20 Jahre mit einem F4-Tornado gerechnet werden. Ein F5-Tornado ist zumindest nach den bisher vorliegenden Daten ein Jahrhundertereignis. Bisher sind mindestens zwei Fälle in den Jahren 1764 (Mecklenburg) und 1800 (Sachsen) bekannt.

Am häufigsten treten Tornados in der so genannten "Tornado Alley" im Mittleren Westen der USA auf, hier kommen sie besonders im Frühjahr fast täglich vor. Aber auch in Europa gibt es so etwas wie eine bevorzugte Spielwiese für Windhosen. Ein Schwerpunkt erstreckt sich etwa von Nordfrankreich über Benelux und den Norden Deutschlands bis nach Polen und weiter nach Russland.



Klimawandel macht tropische Wirbelstürme auch in Europa möglich

Im Gegensatz zu Windhosen waren tropische Wirbelstürme wie Hurrikans, Zyklone und Taifune in Europa bisher kein Thema. Sie brauchen warme, feuchte Luft, um zu entstehen. Untersuchungen zufolge muss die Wassertemperatur des Meeres bis in 50 Meter Tiefe mindestens 26,5 Grad betragen. Temperaturen, die in den großen Meeren um Europa bislang nicht erreicht wurden. Zumindest nicht bis 2005. Damals erreichte Hurrikane Vince am 11. Oktober völlig unvorhergesehen die iberische Halbinsel. Ein Ereignis größer Seltenheit, mit dem in naher Zukunft als Folge der Erderwärmung wohl häufiger gerechnet werden muss.
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